"Du bist Schauspieler, kannst Du auf Knopfdruck weinen?"

Wie oft habe ich die oben genannte Frage schon gestellt bekommen...

Und, hier meine allgemeingültige Antwort: Nein, kann ich nicht.

Jedenfalls nicht immer.

 

Was aber passiert im Kopf eines Schauspielers, wenn er auf der Bühne steht? Kann man, und wenn ja - WIE kann man Emotionen einfach so erzeugen oder hochholen. Und wie sieht die "optimale" Methode dazu aus?

Meine Erfahrung ist, dass Vieles während den Proben freigelegt wird.

Man beschäftigt sich mit dem Text, dem Inhalt des Stücks und der Figur, und plötzlich findet man den Zugang zum Innenleben – und somit zu den Emotionen.
Vor der Kamera sieht das wieder anders aus, muss es dort doch deutlich schneller gehen. Meist hat man nicht die Zeit, sich vor Ort ausgiebig mit der Figur auseinanderzusetzen. Proben in dem Sinn gibt es nicht, höchstens eine Stellprobe für die Regie und Kamera.
Ans Set kommt man mit dem bombenfest sitzenden Text und der zuhause erarbeiteten, im Idealfall mit dem Regisseur abgesprochenen Figur.

 

Ich habe mit etlichen Theater-Regisseuren gearbeitet, die vor Beginn der Probenzeit verlangen, dass man den Text stur auswendig lernt, am besten ohne Betonung. Einfach die puren Worte.
Anfangs fand ich das sehr seltsam, denn ich wollte ja bei der ersten Probe schon zeigen, was ich alles auf der Schauspielschule gelernt habe.

 

Mittlerweile bin ich ein großer Fan des plumpen Auswendiglernens, denn so komme ich als "leeres Gefäß" auf die Probe und werde dann nach und nach mit Ideen, Entwicklungen, Konzepten und... Emotionen in Zusammenarbeit mit der Regie gefüllt.
Es gibt nichts Spannenderes, als eine Rolle und somit auch das Stück peu  à peu zu entdecken.

Wichtig ist ein großes Maß an Offenheit und der Mut, Konzepte im Kopf zu verwerfen.
Denn was bringt es, auf Knopfdruck weinen zu können, wenn sich während dem Spiel die Situation durch diverse Faktoren wie Aufmerksamkeitsgrad der Zuschauer, Kondition meiner Selbst oder der Kollegen und sich dadurch die Dynamik der Vorstellung verändert.

Dazu habe ich eine sehr interessante SRF-Reportage entdeckt!

 

 

Ein interessanter Artikel findet sich dazu auf srf.ch (Dort kommt auch ursprünglich das Video her!)

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