Das Waffenarsenal auspacken!

Kollege und Freund Marco Mehring spricht wahre Worte.

"Keine Gage - aber garantiert Tape", verspricht das Jobangebot.

Seine Antwort: "Fuck, wieder die Axt auf dem Nachttisch liegen lassen!"

Ich habe mir selbst schon für "Job"-Ausschreibungen dieser Art ein ganzes (verbales) Waffenlager zugelegt.

Es ist doch immer wieder erschreckend, wie wir Schauspieler und Künstler uns unter Wert verscherbeln. Eigentlich dürfte man diese "Keine Gage, aber garantiert Tape und Catering"-Angebote nicht annehmen.
Doch wie sonst kommt man zügig an Demomaterial?

Die Caster wollen Videos, am besten aktuelles Material, aber ohne zu drehen kommt man eben nicht an das gewünschte Filmchen. Und um drehen zu können, soll man erstmal umsonst - unter of ziemlich schrecklichen Bedingungen - vor der Kamera stehen?!


Manchem Jungfilmemacher tut man natürlich unrecht. Man darf sie nicht alle über einen Kamm scheren (Habe selbst schon ein, zwei Mal wirklich tolle Erfahrungen gemacht). Trotzdem kann das nicht angehen, dass der Markt sich weiter in diese "Low / No"-Budget-Richtung entwickelt.

OK, ein kleines Zugeständnis mache ich den Hobbyfilmern und Filmstudenten schon. Klar, sie haben kein Geld und können nichts zahlen. Solange sie das Tape auch wirklich in einer annehmbaren Qualität liefern (und nicht erst nach monatelanger Hinhalterei, mit x-maligem Nachfragen), ist das in Ordnung.

Nur leider neigen auch die "großen Filmemacher", sei es Privatsender oder auch Öffentlich-Rechtlich zu dieser Masche.

"Keine Gage" gibt es dort Gott sei Dank noch nicht, aber wie oft hört man den Begriff "Tolle Rolle, leider zu Sondergage" oder "Wir können leider leider nicht mehr zahlen als Betrag XX", der deutlich unter einer angemessenen Tagesgage liegt.

 

Und das Schlimmste: die Produktionen finden immer einen Schauspieler/eine Schauspielerin, die es für den Hungerlohn macht (oder sogar für noch weniger)... denn: es gibt dann immerhin das heissersehnte Tape, mit dem man dann hoffentlich an die ganz ganz großen Rollen kommt.

 

Von meiner nächsten Gage hol ich mir erstmal einen Schlagbohrer (für die ganz üblen Angebote) und einen Vorschlaghammer für mich selbst, falls ich mal wieder einen Dreh mit "tollem Team, gestelltem Catering und garantiert Tape, wenn auch leider leider keine Gage" annehmen sollte. 

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