Orffs Hexen rocken das Kloster Andechs

Am vergangenen Donnerstag ging die Premiere von Marcus Everdings Neuinszenierung der "Bernauerin" bei den Carl Orff-Festspielen im Kloster Andechs über die Bühne.

Dabei hatte unser Regisseur ein übermächtiges "Vorbild" im Rücken, im wahrsten Sinne des Wortes: Orffs "Bernauerin" lief über zehn Mal im Andechser Florianstadl unter der Regie von Prof. Hellmuth Matiasek und wurde 2000 sogar auf die EXPO eingeladen.

Diese Inszenierung war so beliebt, dass sie 2009, im Jahr des Intendantenwechsels auf dem Heiligen Berg, noch einmal gezeigt wurde.
Keiner hätte geglaubt, dass der neue amtierende Intendant der Festspiele das Werk so schnell wieder aus der Schublade holt und entstaubt.

Aber er hat es getan.

Zu den Proben, bei denen ich als Ensemblemitglied auch die letzten 7 Wochen gut zu tun hatte, will ich mich gar nicht äußern, sondern gleich auf das Resultat eingehen:

Marcus Everding hat das opernhafte Stück ordentlich entstaubt, visuell natürlich verändert und die Grundaussage mehr ins Zentrum gerückt: Der Mord an Agnes Bernauer war politischer Natur, und niemand hat etwas dagegen unternommen. Das kommt ja heute noch oft genug vor. Unser Regisseur wollte durch seine ganz spezifische Inszenierung das Publikum soweit bringen, dass es sich angeklagt fühlt. "Wer von Euch greift denn ein? Keiner. Ihr schaut nur zu." Das war die Message.

Auch die berühmte Hexenszene, die allein schon musikalisch bei Orff total aus dem Rahmen fällt, hat Everding umgeworfen: statt Show-Act wie bei Matiasek nun eine bitterbös-ekelhafte "In Your Face"-Speiererei mitten ins Publikum. Und das geht durchaus an die Nieren.

Unsere "Bernauerin", Katharina Kram, hat in einem Interview mit der Landshuter Zeitung erwähnt: "Und wenn in einer ganz grandiosen Hexenszene sich unter Schlagwerkklang die bösen Wesen am Tod der Agnes Bernauer laben - dann trifft dasd auch bei den Proben immer wieder." 

Mir persönlich macht die Szene wahnsinnig viel Spaß, auch wenn die 7 Minunten Bühnenzeit wahnsinnig anstrengend sind. Aber es lohnt sich, wie auch die Kritiken immer wieder beweisen.

 

Natürlich ist es für Marcus Everding nicht leicht gewesen, dem Andechser Publikum eine komplett neue "Bernauerin" zu präsentieren.

In meinen Augen ist es sehr wohl gelungen. Die Stimmen aus dem Publikum sind zum Großteil positiv.

Die Presse schwankt (siehe unten).

Aber es ist schön zu sehen (ich habe beide Inszenierungen gespielt), was in einem Stück steckt. Und oft ist es wichtig, auch die unangenehmen Seiten zu zeigen, um die volle Wirkung zu entfalten.
Mutig vom Regisseur, die Romantik mehr oder weniger zu streichen. Mutig, das Personal zu reduzieren. Mutig, die Szenen umzuschreiben.
Mutig, das Publikum so mit den Hexen zu konfrontieren.

 

Aber Mut gehört in unserem Job dazu!
Ich freu mich auf die Wiederaufnahme im Jahr 2013 :-) 

 

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Süddeutsche
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Landshuter Zeitung vom 20.07.2012
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