Offener Brief an junge Leute, die am Broadway spielen möchten

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An Open Letter to Aspiring Broadway Perf
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Heute morgen auf Broadwayspotted.com entdeckt.

Und sofort musste ich an meinen NYC-Aufenthalt im Mai denken.

Ich habe 4 Shows am Broadway bzw. Off-Broadway gesehen (GHOST, Godspell, Avenue Q, Once) und war absolut fassungslos, was diese jungen Broadway-Talente für eine hochprofessionelle Arbeit hinlegen.

Vor allem in "Godspell" war ich schier begeistert von den Fähigkeiten der jungen Cast: im Schnitt knapp 24 Jahre alt, grandiose Körperbeherrschung, sagenhafte Stimmen und eine Energie, die ich hierzulande noch nie auf einer Bühne (der Stage Entertainment) gesehen habe.

Diese jungen Performer leben für ihren Beruf und für ihr Publikum. Entertainment ist am Broadway gleichzusetzen mit konstanter, überragender Qualität, andernfalls ist man dort schneller aus dem Ensemble raus, als man gebraucht hat um reinzukommen. Der Weg ist hart, sehr hart.

Doch zahlt er sich aus.

 

Das Show-Gewerbe in Deutschland (v.a. bei Musicals, aber auch beim Sprech-Theater) wird viel zu wenig ernst genommen. Und damit meine ich sowohl die Öffentlichkeit als auch die Beteiligten! Natürlich wird an den großen (Musical-)Häusern gecastet, bis die Top-Besetzung gefunden ist. Doch ist die Qualität hierzulande eine andere. 
Allein im Vergleich zu Österreich, insbesondere Wien, hinken die deutschen Musical-Produktionen oft trotz gleicher Produktionsmöglichkeiten hinterher.


Im Gespräch mit vielen Kollegen - und im Zwiegespräch mit mir selbst - hat sich herauskristallisiert, dass das Vorsprechen für viele eine lästige Sache ist. Man ist der Meinung, es geht eh alles nur noch und ausschließlich über Kontakte. Anders kommt man ja gar nicht mehr an Vorsprechtermine.

Ich frage mich gerade, ob das nicht bloß eine Ausrede ist, um der eigenen Faulheit einen Grund zu geben, sich selbst zu bemitleiden, weil es keine Jobs gibt?


Wenn wir mal ganz ehrlich sind, liebe Kollegen, dann sitzen wir tatsächlich viel zu viel rum und hoffen, dass jemand anruft und fragt, ob man nicht in einer Produktion einspringen will.

Ich persönlich kenne (so gut wie) niemanden, der auch ausserhalb eines Engagements kontinuierlich an sich arbeitet (Tanz- und Gesangsstunden, Coachings, Monologunterricht...).
Natürlich ist das alles eine Frage des Geldes, das ist mir klar! Doch beginnt die eigentliche Arbeit nicht bei sich selbst? Stücke lesen, Monologe und Songs lernen, eigene Ziele formulieren?

 

Solange das innere Feuer nicht unaufhörlich brennt, hat man keine Chance.

Es geht hier nicht nur um den Job, den Beruf.

Es geht um die Berufung.

Die Berufung, Kunstschaffender zu sein. 

 

Und hier noch ein anderer Blick auf das Thema:

Schauspieler? Und was machen Sie tagsüber? von Hans-Werner Mayer, BFFS

 

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Kommentare: 1
  • #1

    René Rumpold (Dienstag, 10 Juli 2012 14:35)

    Wie wahr! so, und nur so, soll man diesen wunderbaren Beruf sehen!
    Danke für die schönen geposteten Worte!
    Bravo!!
    Liebe Grüße
    René Rumpold
    www.rene-rumpold.at