Aberglauben im Theater

Aberglauben ist in wohl keinem anderen Beruf so verbreitet wie im Theater. Jeder, der dort arbeitet, hat seine kleinen Regeln, an die er sich hält. Andernfalls könnte die anstehende Vorstellung ziemlich unangenehm werden. Glaubt er.Aber warum nehmen Schauspieler diese "Regeln" so ernst?
Einer der bekanntesten Aberglauben sowohl im Profil- als auch Amateur-Bereich ist die Tatsache, dass man niemals "Viel Glück" wünscht. Eine harmlose, nett gemeinte Phrase, die es auf alle Fälle zu umgehen gilt. Sollte ein Ahnungsloser einem Schauspieler vor der Vorstellung "viel Glück" wünschen, darf dieser niemals mit "Danke" antworten, sondern mit einem "Wird schon schiefgehen"!

 

Um zu erklären, was es damit auf sich hat, muss ich vorausschicken, dass in Theaterhäusern, auf Bühnen sogenannte "Geister" umgehen (ein weiterer Aberglaube, den ich vielleicht ein anderes Mal erkläre). Geister von verstorben Autoren, Seelen von Figuren aus den gespielten Werken (der bekannteste Geist im Theater ist wohl Shakespeare`s Macbeth, dessen Namen viele gar nicht aussprechen), oder einfach die Seelen von großen Schauspielern, die auf der Bühne verstorben sind.
Diese Geister sind, wie in Shakespeares Werken oft beschrieben, Schabernacktreiber, die Dinge umkehren und sich Scherze erlauben. So verdrehen sie eine einfache Phrase wie "viel Glück" zu "viel Pech", und es "wird passieren", dass der Schauspieler hoffnungslos auf der Bühne versagt.
Eine Möglichkeit, sich zu schützen und trotzdem viel Glück und Erfolg zu wünschen, besteht darin, dass man den Sachverhalt einfach umdreht:
Statt Glück wünscht man "Hals- und Beinbruch", und der Akteur antwortet - in freudiger Erwartung - mit "Wird schon schiefgehen". Das verwirrt die Geister und sie bringen dem Schauspieler Glück statt Unglück.
Klingt verrückt? Hey, wir sprechen hier von Schauspielern! :)
Der Ausdruck "Hals- und Beinbruch", oder im Englischen "Break a leg" genannt, kommt ursprünglich aus dem Elisabethanischen Zeitalter. Zu Shakespeares Zeiten gab es verschiedene Applaus-Anordnungen, je nachdem, wie lange das Publikum klatschte. Erst bei der dritten Verbeugung kam das sogenannte "breaking leg" dazu, das Einknicken des Beines nach hinten (wie man es bei Hofe machte).
Eine weitere Theorie besagt, dass sich die Zweitbesetzungen hinter der Bühne einen "Hals- und Beinbruch" der Erstbesetzungen wünschen, damit auch sie endlich mal zum Zuge kommen ;-)

 

Zum Schluss sei noch die englische Theorie zur Phrase "Break a Leg" erwähnt, bei der es heisst, die Schauspieler würden beim Schlussapplaus so dermaßen wild auf die Bühne rennen, dass sie die Enden des herunterfahrenden Vorhangs, quasi seine "Beine" / "Legs" durchbrechen.
Sie können gar nicht anders, weil das Publikum sie so frenetisch feiert und immer wieder auf die Bühne zurückruft.

 

In diesem Zusammenhang heisst "Break a Leg" also nichts anderes wie "Ich wünsch Dir einen Bombenerfolg. Möge Dich das Publikum feiern, selbst wenn sich der letzte Vorhang schon senkt."

 

In diesem Sinne:
"Hals- und Beinbruch"

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