Keine Antwort ist auch eine?

Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Bewerbungen erinnern, anno 2005: Für viel Geld Fotos und Bewerbungsmaterialen gemacht, dann an knapp 250 Theater und Caster rausgeschickt.Tagelang habe ich mich gefreut, gewartet und gehofft auf Antworten, und siehe da: es kamen, wenn überhaupt, fast ausschließlich Absagen zurück.Das war natürlich ein Schlag ins Gesicht. Da ist man ein junger, ambitionierter Schauspieler, noch in Ausbildung, will spielen, aber kein Theater bietet die Chance, wenigstens vorzusprechen.
Unsere Dozentin Dani hat damals einen Satz gesagt, den ich mir gut eingeprägt habe:"Bewerbungen rausschicken und dann erstmal vergessen. Nicht mehr darüber nachdenken, sonst blockiert man sich."
Und sie hat recht. Je weniger man sich dem Erwartungsdruck aussetzt, desto lockerer ist man bei anderen Castings, Bewerbungen, Anrufen etc.
Was mir allerdings total gegen den Strich geht ist die Art, wie Filmhochschulen, Low- und No-Budget-Projekte, freie Theater und Regisseure mit Bewerbungen umgehen.Seit geraumer Zeit hat sich das Internet Gott sei Dank als Bewerbungsmaschine durchgesetzt und man verschickt Links zum Demoband, auf die Homepage und Vita sowie Fotos per eMail.Nur bekommt man in den seltensten Fällen eine Antwort.
Hey, ich nehm mir auch die Zeit und schreibe ein paar Zeilen, wenn ich eine Anzeige auf Crew United, Theaterjobs, Ca:st etc. lese. Immerhin sitzt da jemand, schaltet ein Gesuch und möchte interessante Leute für seine ausgeschriebenen Rollen kennenlernen. Aber auch wenn man auf die Rolle nicht passt, kann man doch zumindest eine standardisierte Antwort erwarten, oder?
Was ist denn in Zeiten von eMail und Internet dabei, einfach ein kleines "Sorry, passt nicht, danke für Deine Bewerbung" zu schreiben?
Ihr Jungregisseure, Produzenten, Film- und Theaterleute mit großen Zielen, auch Höflichkeit und Freundlichkeit gehört zum Geschäft.
Erst vor Kurzem habe ich das dritte Mal auf eine Anzeige von einem gewissen XY geantwortet und das dritte Mal keine Antwort bekommen.Was hält diesen "Regisseur" in Ausbildung davon ab, ein paar Zeilen zurückzuschreiben?
Ich weiß es nicht.
Was ich weiß ist, dass ich weiterhin meine Mailings rausschicke, immer höflich, aber mittlerweile doch um einiges kürzer, kompakter und direkter als vor einem Jahr.Denn auch mir wird die Zeit nicht bezahlt.
Es geht um einen (bezahlten/unbezahlten) Job und um einen Kontakt, der beiden Seiten etwas bringen soll.

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Kommentare: 1
  • #1

    Johannes Schatz (Donnerstag, 04 April 2013 18:39)

    Prima, Philipp!
    Zeit, sich zu wehren!!!
    Grüße von den Barrikaden ;)