Lähmende Resignation

“Schauspieler gesucht, perfekte Englischkenntnisse vorausgesetzt.” / “Tänzerisch stark, gesanglich gute Darsteller gesucht!” / “Schauspieler bis max. 24 für große Hauptrolle gesucht!” / “Voraussetzung: eigenes Auto.” / “Tolle Rolle, aber leider kein Geld. Gut für den Lebenslauf.” / “Sehr junger Schauspieler oder jungenhafte Schauspielerin gesucht.” / “Native Speaker!” / “Exzellenter Sänger mit großer Bandbreite an schauspielerischem Können gesucht.” / “Bitte NUR Hamburg und Umgebung. Gage: 2000 EUR für 3 Vorstellungen.” / etc. etc. etc.

 

Wer kennt es nicht, die lähmende Resignation, wenn man sich auf Theaterjobs und anderen Portalen einloggt, mit großer Bewerbungslust. Alle Fotos bereitgestellt, die Vita aktualisiert, ein gutes Anschreiben formuliert, und schon kann es losgehen.

 

Und dann sucht man. Man sucht nach DEM Job-Angebot, auf das man auf alle Fälle passt. Und dann ist man entweder zu dick, zu dünn, zu jung, zu alt, zu deutsch, zu weit weg, zu un”-exzellent”, zu unflexibel, ein zu schlechter Sänger, GAR kein Sänger, tanzen kann man sowieso nicht, langjährige Bühnenerfahrung hat man schon irgendwie oder auch doch nicht weil es zählt ja nicht alles zu professioneller Bühnenerfahrung und eigentlich sollte man ja gar nicht und überhaupt.

 

Jeder Künstler hat bestimmt schon einmal den Punkt erreicht, wo er sich fragt, ob dieser Beruf das Richtige für ihn ist.

Ob er denn überhaupt da draussen bestehen kann. Ob er denn überhaupt gut (genug) ist, um die Bretter, die die Welt bedeuten, zu betreten.

 

Ob er eine Daseins-Berechtung in der Kunst hat.

Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage.

 

Und tief im Herzen weiß man, dass es nur diesen einen Beruf gibt.

 

Und dann sagt jemand zu Dir: “Ich fand Dich gestern auf der Bühne verdammt gut. Gratulation.” oder“ Mir gefällt Ihr Auftreten, Ihre Persönlichkeit. Sie sind interessant. Ich biete Ihnen … an.

 

Und schon füllt sich das leere Gefäß, das wir “Künstler” nennen, wieder mit Leben. Wir füllen es an, weil die anderen wollen, dass wir wieder zu geben haben.Die lähmende Resignation, die wir vielleicht öfters mal verspüren, weil “etwas nicht so läuft”, wie wir es uns vorgestellt haben, gehört einfach dazu.

 

Im religiösen Sinn bedeutet Resignation “Gelassenheit”, die Ergebung des eigenen Willens in den Willen Gottes. Und in Gottes Willen sind wir gut aufgehoben. Er erfüllt uns mit Kraft und Energie.

Neein, ich will hier jetzt nicht predigen, ich bin auch nicht sonderlich religiös. Aber wenn man in Zeiten, in denen man glaubt stillzustehen, wert- und nutzlos zu sein, daran glaubt, dass das “Gefäß” nun einfach danach giert, wieder gefüllt zu werden, dann kommt es auch.

 

Resignation ist nur dann schlimm, wenn sie zur Apathie oder Lethargie wird. Und davor warne ich ausdrücklich!

Innehalten, sich kurz neu orientieren, zurückblicken auf das, was man gemacht und geschafft hat und daraus neue Energie gewinnen.

 

Der Weg ist das Ziel.

 

In diesem Sinne: Die ganze Welt ist Bühne. Und diese Bühne hat viele Bretter.

So ist für jeden eines dabei. :-)

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